radikal theatral
Theaterprojekte gegen Extremismus bei Kindern und Jugendlichen
Am Welttag für kulturelle Vielfalt
21. Mai 2026 | 14–19 Uhr
Gallus Theater & StadtRaumFrankfurt
Auf Einladung des Schultheater-Studios Frankfurt kamen Vertreter*innen aus Schule, kultureller Bildung, Prävention, Theaterpädagogik und Bildungsministerium im Rahmen der Frankfurter Schultheatertage zusammen, um über zunehmende extremistische Tendenzen an Schulen und über die Rolle kultureller Bildung in einer demokratischen Gesellschaft zu beraten. Ausgangspunkt der Diskussion war die Frage, wie Schule, Kunst, Darstellendes Spiel und Gesellschaft gemeinsam auf Radikalisierung, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und demokratiefeindliche Entwicklungen reagieren können.
Die Diskussion machte deutlich: Demokratiebildung darf nicht erst dann einsetzen, wenn extremistische Vorfälle bereits sichtbar geworden sind. Prävention beginnt früher – in Beziehungen, in Teilhabe, im Erleben von Gemeinschaft und in der Möglichkeit, sich selbst als wirksam zu erfahren.
Besonders hervorgehoben wurde die Rolle von Theater, Tanz und kultureller Bildung als Erfahrungsräume demokratischen Handelns. Künstlerische Prozesse, wie sie gemeinschaftlich im Schulfach Theater laufen, fördern Empathie, Perspektivwechsel, Selbstwirksamkeit und sozialen Zusammenhalt. Sie schaffen Räume, in denen unterschiedliche Stimmen sichtbar werden und Konflikte reflektiert bearbeitet werden können. Demokratie muss erlebt werden – nicht nur vermittelt.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass Schulen und Lehrkräfte zunehmend unter Druck stehen. Genannt wurden unter anderem:
- steigende extremistische Vorfälle und menschenfeindliche Äußerungen
- Radikalisierung über soziale Medien und digitale Plattformen
- Unsicherheiten im Umgang mit diskriminierenden oder extremistischen Aussagen
- fehlende Zeit, Ressourcen und Fortbildungsangebote
- zunehmende psychische Belastungen bei jungen Menschen
- gesellschaftliche Polarisierung und schwindende Dialogfähigkeit
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass kulturelle Bildung kein „Zusatzangebot“ sein darf, sondern ein zentraler Bestandteil demokratischer Schulentwicklung sein muss.
Daraus ergeben sich folgende gemeinsame Forderungen:
- Kulturelle Bildung strukturell stärken
Theater, Tanz und kulturelle Praxis müssen dauerhaft und verbindlich in Schulen verankert werden – nicht projektbezogen, sondern als kontinuierlicher Bestandteil schulischer Bildung. Darstellendes Spiel soll laut dem „Masterplan Kultur Hessen“ seit 2023 als Schulfach verankert werden werden.
- Demokratiebildung als gelebte Praxis verstehen
Schulen brauchen Räume für Beteiligung, Diskussion, künstlerischen Ausdruck und gemeinsames Erleben. Demokratie entsteht durch Erfahrung und Mitgestaltung.
- Prävention interdisziplinär denken
Schule, Jugendhilfe, Kulturinstitutionen, Präventionsarbeit und Zivilgesellschaft müssen enger zusammenarbeiten. Prävention gelingt nur gemeinsam.
- Lehrkräfte und Schulen entlasten
Pädagogische Fachkräfte benötigen mehr Unterstützung, Fortbildungen und Handlungssicherheit im Umgang mit Extremismus, Antisemitismus, Rassismus und digitaler Radikalisierung.
- Soziale Medien und digitale Räume stärker in den Blick nehmen
Junge Menschen bewegen sich selbstverständlich in digitalen Öffentlichkeiten. Medienbildung und kritische Reflexionsfähigkeit müssen deshalb gestärkt werden.
- Langfristige Förderung statt kurzfristiger Projektlogik
Nachhaltige Demokratiearbeit braucht Kontinuität, verlässliche Finanzierung und stabile Kooperationen. Sie muss ein fester Teil der bestehenden Bildungsstrukturen – vor allem der Schule – sein.
- Kunst als demokratische Praxis anerkennen
Theater und Tanz eröffnen Erfahrungsräume für Perspektivwechsel, Gemeinschaft und gesellschaftliche Aushandlung. Diese Potenziale müssen bildungspolitisch stärker anerkannt und gefördert werden.
Die Beteiligten der Veranstaltung verstehen dieses Treffen als Auftakt für einen fortlaufenden Austausch und als gemeinsame Verantwortung, demokratische Räume für junge Menschen aktiv zu stärken und zu schützen.