Jahresrückblick 2025
„… weil es uns nicht egal ist!“
In Zeiten eines spürbaren gesellschaftlichen Rechtsrucks, zunehmender Anfeindungen und weltpolitischer Spannungen sehen wir es mehr denn je als unsere Aufgabe, mit Schultheater einen Beitrag zur Stärkung der Demokratie zu leisten. Theater ist gelebte Demokratie! Hier wird ausprobiert, widersprochen, zugehört und gemeinsam gestaltet. Schüler*innen erfahren, was es bedeutet, sich einzubringen, Haltung zu zeigen, die eigene Stimme laut zu machen und Verantwortung zu übernehmen. Sie erleben Kooperation und Konflikt, Scheitern und Erfolg und genau darin liegt die Kraft dieser Arbeit.
Fachtage
Fachtag Sek I & Berufsschule
Im April 2025 fand der Fachtag für Sekundarstufe I und Berufsschule gemeinsam statt. Der thematische Rahmen war aktueller denn je:
Unsere Welt verändert sich rasant, gesellschaftliche Gewissheiten geraten ins Wanken. Umso stärker rückt die Bedeutung von gutem Theaterunterricht in den Vordergrund – als Ort der Persönlichkeitsbildung, der Stärkung von Resilienz und als Erfahrungsraum für kooperatives, demokratisches Handeln.
Fachtag Sek II & Berufsschule
Am 5. Februar 2025 stand der Fachtag für die Sekundarstufe II und die Berufsschule im Zeichen des offenen Dialogs. Viele Teilnehmende hatten sich beim letzten Treffen mehr Zeit für den kollegialen Austausch gewünscht und diesen Wunsch haben wir gerne aufgenommen.
Der Vormittag war daher als Open Space gestaltet: ein freies Format, das Platz schafft für Themen, die Lehrkräfte tatsächlich bewegen. Bereits bei der Anmeldung konnten Anliegen eingebracht werden, sodass das Programm flexibel auf die Bedarfe zugeschnitten werden konnte.
Am Nachmittag folgten zwei Workshops aus dem HMKB-Programm „Kreative Unterrichtspraxis“ sowie ein neues Format aus dem Leitungsteam des Schultheater-Studios.

Fachtag Grundschule – Theater für ALLE!
Große Vorfreude und viel Engagement prägten den Fachtag Grundschule, der 2025 in Kooperation mit dem Schulentwicklungsprogramm „Theater für ALLE!“ des Hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen an der Grundschule Süd-West in Eschborn stattfand.
Das Programm war bunt, lebendig und praxisnah: Angebote aus den Bereichen Ganztag, Medien und Musik, Spielpädagogik, Tanz – und natürlich Theater – zeigten die Vielfalt schulischer Theaterarbeit im Grundschulbereich.
Ein besonderes Highlight war das „Heimspiel“ der Klasse 2c, die ihr Stück nach dem Bilderbuch „Swimmy“ präsentierte. Im anschließenden Nachgespräch berichteten die Kinder begeistert von ihrer Arbeit und gaben interessante Einblicke in ihren Entwicklungsprozess.
FerienTheater
Auch im Jahr 2025 hat das FerienTheater in allen hessischen Ferien wieder zahlreiche Kinder und Jugendliche begeistert. Insgesamt nahmen über 180 Teilnehmende an den verschiedenen Formaten teil – darunter hauseigene Projekte, Angebote im Rahmen des Ferienkarussells, das me2you-Projekt sowie außer-Haus-Projekte. Begleitet wurden alle Gruppen von einem engagierten Team aus rund 15 Spielleitungen, tatkräftig unterstützt durch unsere zuverlässigen FSJ-lerinnen, die in jeder Ferienwoche eine wichtige Rolle übernahmen.
In diesem Jahr öffneten wir die Grundlagen des Theaters verstärkt für weitere Medien und Formate: Tanz-Theater, Theater & Video sowie Zirkus-Elemente wie Jonglage fanden ihren Platz im Programm und wurden von den Teilnehmenden begeistert angenommen. Viele Gruppen nutzten kreative Ausdrucksformen wie selbst entwickelte Tänze, eigene Songs, choreografische Sequenzen oder neue Bewegungstechniken. Dadurch entstanden Szenen, die sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken einluden und eindrucksvoll zeigten, wie vielfältig und mutig die jungen Menschen im FerienTheater arbeiten.

Auch die thematische Bandbreite der Projekte war in diesem Jahr besonders beeindruckend. Die Gruppen entwickelten fantasievolle Abenteuer, magische Welten, humorvolle Geschichten, starke Held*innenreisen und gesellschaftlich relevante Inhalte. Die Themen reichten von Zeitreisen, magischen Schulen, Hexen & Feen oder sprechenden Museen bis hin zu modernen Fragestellungen wie Energie der Zukunft, Mobbing, Gerechtigkeit, Diversität und kulturellem Austausch. Emotionale Geschichten, Kriminalfälle, Wettbewerbe und kreative Konflikte boten eine lebendige Mischung aus Tiefgang, Spaß und Fantasie.
Gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen wurde das FerienTheater 2025 erneut zu einem Ort des Ausprobierens, des Forschens und der Offenheit. Die Teilnehmenden konnten Neues wagen, eigene Ideen einbringen und erleben, wie wertvoll ihre Gedanken und Talente sind. Besonders in den öffentlichen Abschlussaufführungen vor Familie, Freunden und Bekannten zeigte sich immer wieder, wie stolz die jungen Menschen auf ihre Arbeit waren. Viele beschrieben die Woche als einen Ort, an dem sie genauso sein konnten, wie sie sind – mit all ihren Stärken, Besonderheiten und Gefühlen.
Wir blicken voller Freude, mit vielen neuen Eindrücken und einer Fülle kreativer Impulse auf ein lebendiges und inspirierendes FerienTheater-Jahr 2025 zurück und freuen uns schon jetzt auf alles, was das Jahr 2026 wieder für uns bereithält.
Fortbildung
Auch 2025 stand für das Schultheater-Studio ganz im Zeichen der Qualifizierung und Professionalisierung. Unsere Grundlagenfortbildung bildet weiterhin das Fundament, auf dem der Weiterbildungskurs im Fach Darstellendes Spiel aufbaut. In diesem Jahr konnten wir zwei Studierendengruppen, zwei LiV-Gruppen sowie drei Fortbildungsgruppen für Lehrkräfte in Kooperation mit dem Landesverband Schultheater in Hessen durchführen. Eine dieser Gruppen arbeitete direkt im Schultheater-Studio, zwei weitere fanden an den angehenden Profilschulen Kulturelle Bildung: Darstellendes Spiel statt, der Edith-Stein-Schule in Offenbach und der Theodor-Fliedner-Schule in Wiesbaden. Durch die Kooperation mit diesen beiden Schulen können unsere Angebote vor Ort stattfinden und Theater so noch direkter an Schulen gebracht und nachhaltig in der Region verankert werden.
Neben den Grundlagenfortbildungen erfreuten sich auch unsere Spot-on-Kurse großer Beliebtheit: kurze, thematisch fokussierte Fortbildungseinheiten, die sich gezielt an den Bedarfen der Lehrkräfte orientieren.
Mit Blick auf das Schultheater der Länder 2026 mit dem Fokusthema Tanz setzten wir in diesem Jahr einen deutlichen inhaltlichen Schwerpunkt auf diesen Bereich. Verschiedene Angebote luden Lehrkräfte dazu ein, tänzerische Ausdrucksformen auszuprobieren und in ihren Unterricht zu integrieren.
Immer häufiger erreichten uns zudem Anfragen von Schulen und Einrichtungen, die Spot-on-Kurse direkt vor Ort buchen wollten. Erfahrene Theaterpädagog*innen oder Theaterlehrkräfte reisen dafür zu den Schulen und vermitteln theaterpädagogisches Know-how.
Frankfurter Schultheatertage
Den Auftakt der 43. Frankfurter Schultheatertage bildeten bereits im November 2024 die Impulswerkstatt „Performative Praxis mit jungen Menschen“, die in Kooperation mit dem TheaterGrueneSosse für die Spielleitungen angeboten wurde, sowie ein gemeinsamer Theaterbesuch im Gallus Theater. Die Werkstatt lieferte zahlreiche praxisnahe Anregungen, die von vielen Spielleitungen in der anschließenden Probenarbeit aufgegriffen und in den gezeigten Produktionen sichtbar wurden.

„Kein Applaus für Stillstand“ lautete das Motto der diesjährigen Schultheatertage. Entsprechend begann das Festival am 2. Juni mit einem lauten, bunten Demonstrationszug vom Rathenauplatz über die Zeil bis zum Paulsplatz. Bei der feierlichen Eröffnung durch die Schirmherrin, Stadträtin Sylvia Weber, nutzten die Schüler*innen die Öffentlichkeit, um ihre Forderungen zu formulieren: partizipativen und empowernden Darstellendes-Spiel-Unterricht in allen Jahrgängen – insbesondere in der Grundschule –, eigene DS-Räume mit Umkleiden an jeder Schule, mehr finanzielle Mittel für Technik, Requisiten und Kostüme, eine intensivere Zusammenarbeit mit den Theatern der Stadt sowie kostenfreie Theaterbesuche für alle Schulklassen. Der Demonstrationszug hielt auf seinem Weg durch die Innenstadt mehrfach an, sodass die Spielgruppen Ausschnitte aus ihren Produktionen und Performances zeigen konnten. Im Anschluss empfing das Gallus Theater die Schüler*innen zum Eröffnungsfest, in dessen Rahmen weitere kurze Szenen aus den Stücken gezeigt wurden. Die Fröbe-Hartmann-Brodbeck-Stiftung ermöglichte dabei sowohl das Buffet als auch die Vergabe der Förderpreise.
Während der folgenden Festivaltage zeigten 18 Spielgruppen mit rund 300 Schüler*innen ihre Stücke vor etwa 1.630 Zuschauenden. Wie in den vergangenen Jahren handelte es sich bei der Mehrzahl der Aufführungen um Eigenproduktionen. Die Teilnehmenden stellten sich großen Themen wie Vertrauen, Macht, Perfektion, Identität und Gerechtigkeit und nutzten Körper, Stimme, Musik und Bewegung, um ihre Perspektiven auf die Bühne zu bringen. Die Tage waren geprägt von Neugier, Begegnungen und dem gemeinsamen Wunsch, Theater als Ausdrucksform zu stärken. Die Vielfalt der Formate von Sprechtheater über Tanz bis hin zu absurden und dokumentarischen Arbeiten zeigte, wie unterschiedlich Schüler*innen sich mit Themen auseinandersetzen und welche Bandbreite an ästhetischen Mitteln sie dafür wählen. Die Aufführungen offenbarten Mut, Sensibilität und ein beeindruckendes Verständnis für theatrale Mittel und ließen das Publikum oft fragend, berührt oder begeistert zurück.

Bei dem Festival traten jeweils zwei Spielgruppen in einem Aufführungsblock auf. Diese Partnergruppen hatten sich bereits im Laufe des Schuljahres bei Probenbesuchen kennengelernt. Der frühe Einblick in ein anderes Theaterprojekt wurde von den Beteiligten als sehr bereichernd und motivierend für die eigene Arbeit beschrieben. Während des Festivals hatten die Spieler*innen nun die Gelegenheit, die gesamte Stückentwicklung der Partnergruppe zu sehen und sich in Nachgesprächen über ihre Arbeitsweisen und inszenatorischen Entscheidungen auszutauschen. Moderiert wurden diese Gespräche von Schüler*innen eines DS-Kurses der Q2.
Einen Ausblick auf die Frankfurter Schultheatertage 2026 bot schließlich eine Tanzwerkstatt für Spielleitungen, die am 4. September in Kooperation mit Hennermanns Horde stattfand.
Freie Ensembles
Die Spielzeit unserer vier wöchentlich stattfindenden Ensembles erstreckt sich über ein gesamtes Schuljahr und erreicht mit den Aufführungen im Sommer immer ihren Höhepunkt. Unser Jugendensemble Freezy LaMa machte 2025 bereits den Premieren-Auftakt bei den Frankfurter Schultheatertagen im Gallus Theater. Ende Juni standen die Jugendlichen aber dann schließlich auch auf der eigenen Bühne vor Publikum, denn sie luden gemeinsam mit den zwei weiteren Ensembles mit Beteiligung von Kindern und Jugendlichen zu einem Festival-Tag ins Schultheater-Studio ein. Das Erwachsenenensemble führte an zwei Abenden im Juli seine Inszenierung eines Klassikers von Friedrich Dürrenmatt auf. Die Inszenierungen der Spielzeit im Einzelnen:
EIN MORDSKONZERT vom Kinderensemble (FSE 1)
Spielleitung: Fabian Guillery, Katalin Back und Cara Pfeiffer

Im Kinderensemble hatten die Teilnehmenden in der vergangenen Spielzeit eigene Figuren als Handpuppen entwickelt, und diese im Probenprozess bastlerisch immer weiter ausgestaltet. Entstanden war ein temporeiches Figurentheaterstück um eine Gruppe mehr oder weniger divenhafter Sängerinnen, die bei der Vorbereitung ihres großen Auftritts ordentlich in Konkurrenz gerieten. Mit den Sängerinnen im Theater: ein grummeliger Hausmeister mit seinem fröhlichen Assistenten, ein für die Sicherheit der Vorstellung verpflichteter Feuerwehrhund und ein Teufel mit großer Lust am Chaos und dem Einflüstern diabolischer Pläne. Glücklicherweise konnte der Kommissar etwas Licht in die Machenschaften rund um vergiftete Getränke und fies platzierte Bananenschalen bringen. Zwischendrin kam es sogar zu einem Konflikt zwischen einer Puppe und ihrer Spielerin. Aber am Ende stand glücklicherweise doch noch ein mordsspaßiges Konzert.
VIEL LÄRM UM MEAN LOVE vom Jugendensemble Freezy LaMa (FSE 2)
Spielleitung: Lara von Waldenfels, Cosmo Hahn, Merle Schönfelder
An der Riverside High hat alles seine Ordnung. Dafür sorgen die Plastics. Die Sportler*innen liegen ihnen zu Füßen, die Reporter*innen der Schulzeitung berichten ständig über sie (nur Gutes, klar), die Nerds reißen sich darum, ihre Hausaufgaben machen zu dürfen, und die anderen … Wen kümmern die anderen?! Doch als eine neue Schülerin auftaucht, droht diese fragile Struktur aus dem Gleichgewicht zu kippen…
Das Drama rund um Freundschaft, Liebe, Machtspiele und Intrigen wurde vom Jugendensemble selbst entwickelt und war inspiriert von Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“ und „Mean Girls“.
DIE KAROTTE HAT DAS LETZTE WORT vom generationsübergreifenden Ensemble (FSE 3)
Spielleitung: Felix Lokwenz und Laura Sommer
Es war einmal ein eitler König. Der beherrschte sein Reich mit Hilfe einer bösen Fee und dem machthungrigen Finanzminister Rumpelstilzchen. Andersdenkende wurden unterdrückt, die Presse durfte nurmehr die schmeichelhaftesten Fragen stellen und die Wiesen und Wälder wurden plattgemacht für eine Monokultur aus Karotten. Doch eine mutige Taschendiebin und eine junge Waldhexe in Ausbildung schlossen sich mit einer zur Karotte verwandelten Widerstandskämpferin zusammen, um den König zur Rede zu stellen. Unterwegs zum Schloss bekamen sie weitere Unterstützung von der Königin der Riesen (nebenberuflich Yoga-Lehrerin) und ihrem kleinen, wilden Riesenbruder. Die etwas zu gesprächige Yoga-Schülerin aus dem Land der Sozialarbeiter*innen schloss sich wohl oder übel auch noch der Gruppe an und gemeinsam konnte sie selbst ein äußerst bedrohlicher sprechender Baum nicht mehr aufhalten…
Das erste Stück unseres neuen Ensembles, in dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene gemeinsam auf der Bühne stehen.
ROMULUS DER GROSSE
Eine ungeschichtliche historische Komödie in vier Akten von Friedrich Dürrenmatt
Inszeniert vom Erwachsenenensemble (FSE 4)
Spielleitung: Damian Ludig und Paul Habscheid
Das römische Reich am Abgrund, die Germanen marschieren auf der Via Appia Richtung Süden. Der Kaiser denkt nur an seine Hühner und seine Frühstückseier und lässt sich auch von zahlreichen aus den Wandschränken auftauchenden Attentäter*innen nicht aus der Ruhe bringen.
In der laufenden Spielzeit haben die Proben aller vier Ensembles im Herbst wieder begonnen, wir freuen uns über viele neue Gesichter! Die ersten Entscheidungen auf dem Weg zu den nächsten Inszenierungen sind bereits gefallen, vor den Ensembles liegen in der ersten Jahreshälfte nun besonders intensive Probenphasen und wir freuen uns bereits auf die nächsten Aufführungen im Juni und Juli 2026.
Kinderschutzkonzept
In diesem Jahr wurde die Entwicklung eines umfassenden Kinderschutzkonzepts für das Schultheater-Studio Frankfurt erfolgreich abgeschlossen. Das um die 20-seitige Dokument bildet künftig die Grundlage für den präventiven Schutz von Kindern und Jugendlichen in unserem theaterpädagogischen Zentrum und geht dabei weit über klassische Schutzaspekte hinaus.
Das Konzept verankert die grundlegenden Werte unserer Arbeit: Diversität, Inklusion und die Förderung aller Menschen unabhängig von Herkunft, Nationalität, Religion oder Beeinträchtigung stehen im Mittelpunkt unseres theaterpädagogischen Handelns. Gleichzeitig positioniert sich das Schultheater-Studio klar gegen Hass, Ausgrenzung, Menschenverachtung und jede Form von Diskriminierung – diese finden in unserem Haus oder innerhalb unserer Angebote in den Schulen vor Ort keinen Platz.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Gestaltung eines wertschätzenden und fehlerfreundlichen Arbeitsklimas. Das Konzept richtet sich nicht nur an den Umgang mit Kindern und Jugendlichen, sondern auch an das kollegiale Miteinander aller Mitarbeitenden sowie an junge Menschen, die im Schultheater-Studio tätig sind, wie FSJler*innen und Praktikant*innen.
Die partizipative Erarbeitung des Verhaltenskodex war dabei zentral: In den vergangenen Monaten fanden zwei intensive Workshop mit freien und festen Mitarbeitenden statt, in diesen gemeinsam weiteren Präzisierungen und Ergänzungen erarbeitet wurden. Diese wertvollen Beiträge aus der Praxis werden derzeit in das Gesamtkonzept eingearbeitet.
Die Veröffentlichung des Kinderschutzkonzepts ist für 2026 vorgesehen. Damit schafft das Schultheater-Studio einen klaren Rahmen für professionelles, grenzachtendes und respektvolles Arbeiten auf allen Ebenen und setzt ein wichtiges Zeichen für die Sicherheit, das Wohlergehen und die Würde aller Menschen in unserem Haus und bei unseren Angeboten, Projekten und Programmen.
Vorstand des Kreidekreis e.V. – Ein Jahr des Aufbruchs und der Weichenstellung
Das vergangene Jahr war für den Kreidekreis e.V. ein Jahr voller Bewegung, Wachstum und entscheidender Schritte in die Zukunft des Schultheater-Studios. Mit großer Klarheit und gemeinsamer Kraft haben wir nicht aufgehört, die Grundlagen für ein Studio zu legen, das kulturelle Bildung dauerhaft stärkt und jungen Menschen neuen Raum für Kreativität eröffnet.

Leitungswechsel mit Perspektive
Ein besonderer Schwerpunkt dieses Jahres war der behutsam vorbereitete Leitungswechsel. Die Einarbeitung des neuen Leiters, Jannick Müller, begann, begleitet von großer Sorgfalt und gemeinsamer Gestaltung durch die vorherige Leitung Mona Baijal, der wir für ihr großes Engagement in den letzten Jahren danken. Sina Kuhlins und Jannick Müller leiten seit August diesen Jahres das Studio zusammen.
Engagement in Stadt und Land
Der Verein war im kontinuierlichen Austausch mit dem Stadtschulamt, dem Bildungsdezernat und dem Land Hessen. Diese Gespräche sind ein wichtiger Teil unserer Arbeit, denn die kulturelle Bildung braucht starke Partnerschaften und einen politischen Rahmen, der Kunst und Teilhabe ermöglicht. Der Kreidekreis e.V. hat sich dabei erneut als aktive, verlässliche Stimme für das Schultheater positioniert.
Gemeinschaft & Kultur der Zusammenarbeit
Neben allen strukturellen Weichenstellungen war das Jahr geprägt von Begegnungen, Festen, Aufführungen und dem engagierten Miteinander vieler Menschen, die das Studio tragen. Dieses Netzwerk aus Kreativen, Pädagog*innen, Mitgliedern und Partner*innen ist das Herzstück unseres Vereins und der Motor für alles, was wir voranbringen.
Ausblick
Mit den Impulsen dieses Jahres geht der Kreidekreis e.V. gestärkt und zukunftsorientiert in die kommenden Jahre. Unser Ziel bleibt klar:
Ein Schultheater-Studio, das als Leuchtturm kultureller Bildung wirkt – professionell, lebendig und offen für die nächste Generation.
Kulturelle Aktivität: Theater in Schule!
Das Programm KATS (Kulturelle Aktivität: Theater an Schule!) richten wir momentan neu und speziell auf Projekte an Förderschulen aus. Im Rahmen des Projekts soll zukünftig eine noch stärkere individuelle Anpassung von Formaten an die jeweilige Schule und die Förderbedarfe ihrer Schüler*innen ermöglicht werden. Weiterhin erfolgreich fortgeführt wurde im Jahr 2025 das Format „Theater mit Auftritt“ an der Kasinoschule Frankfurt sowie kleinere Projekttage. Für das kommende Jahr sind verschiedene neue Projekte in Planung. Wir freuen uns über neue Kooperationsschulen und danken den engagierten Lehrkräften der beteiligten Schulen für die produktive gemeinsame Planungsarbeit und der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und der Stadt Frankfurt für die vertrauensvolle Förderung in der Zeit der Neuausrichtung.
Prävention
In unseren präventiven Tagesworkshops für Schulklassen kommen die drei- bis vierköpfigen Teams direkt in den Klassenraum, verwandeln diesen in eine Bühne, bieten der Klasse eingangs immer selbst eine Show und begleiten die Schüler*innen über den Vormittag aus der Publikumsrolle übers spielerische Ausprobieren bis zum Erarbeiten und Darbieten eigener Szenen zum jeweiligen Workshopthema. Im Workshop GeschlechterRolleMensch werden stereotype Geschlechterrollen erforscht und eine Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Queerfeindlichkeit ermöglicht. Im Zentrum von Theater als Sucht – Sucht als Theater stehen verschiedenste Formen von Abhängigkeit und die Gefühle, die damit zusammenhängen. Im Workshop GEWALTiges Theater werden die Themen Mobbing, Konflikt, verschiedene Formen von Gewalt aber eben auch Strategien zur Deeskalation behandelt. Bei allen Workshopformaten unseres Präventionsbereichs ist uns wichtig, dass sie ein eindrückliches Erlebnis für die Klassengemeinschaft bleiben, Spaß und Mut machen und immer wieder neue Perspektiven eröffnen.
Rund 1400 Schüler*innen von der dritten bis zur zwölften Klasse konnten im Jahr 2025 in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet so einen Workshoptag erleben.
Dank der langjährigen, vertrauensvollen Unterstützung des Präventionsrats und der Stadt Frankfurt konnten wir das GEWALTige Theater im Stadtgebiet Frankfurt wieder 30 Klassen besonders geförderte Workshops anbieten.
Wir danken allen Schüler*innen dafür, dass jeder Workshoptag neue beeindruckende Erlebnisse und kreative Spielideen mitbringt und allen Lehrkräften, Schulleitungen, Mitarbeiter*innen der Schulsozialarbeit, Fördervereinen und allen weiteren Beteiligten für die engagierte Zusammenarbeit in der Organisation der Workshops. Besonders freuen wir uns, dass einige Schulen unsere Angebote fest in ihre Präventionsarbeit integrieren und uns jährlich anfragen.
Theater startet durch! (Startchancen-Programm im STS)
Die Angebote im Programm THEATER STARTET DURCH adressieren Startchancen-Schulen mit besonderen Herausforderungen und verfolgt das Ziel, Bildungsgerechtigkeit, Teilhabe und Chancenförderung durch Theaterpädagogik zu unterstützen.
Unsere Schwerpunkte für Startchancen-Schulen umfassen die Stärkung sozialer und emotionaler Kompetenzen, Präventionsangebote, Unterstützung im Fachunterricht, bei Theaterprojekten und im Schulalltag.
Von März bis Dezember 2025 erreichten 26 qualifizierte Theatervermittelnde 9 Schulen, 54 Klassen der Stufen 1 bis 7, 1.044 Schüler*innen über 96 Workshoptage.
Die thematischen Schwerpunkte umfassten die folgenden Angebote:
Stärkung von sozialen & emotionale Kompetenzen
- Theater startet durch – auf dem Weg zu einer klasse Gemeinschaft (Tagesworkshop)
- Persönlichkeitsentwicklung für Grundschulkinder (4 Workshops pro Klasse)
Klasse 1: Einführung in die Basisgefühle – Wie fühle ich?
Klasse 2: Gefühle und Empathie – Wie fühlst du dich?
Klasse 3: Freundschaft zählt – Gemeinsam stark
Klasse 4: Konflikte und Empathie – Streiten, aber richtig!
Haltung zeigen – Grenzen achten
- Schwerpunkt Gewaltprävention (Tagesworkshop)
- (Cyber-) Mobbing (4 Tagesworkshops pro Klasse)
Theater mit Fachunterricht verbinden
- Chancengerechtes Deutsch für Grundschulklassen (Projektwoche)
- Deutsch als Zweitsprache für Intensivklassen (Projektwoche)
Der Programmstart erforderte durch organisatorische Abstimmungen und neue Förderstrukturen eine Anlaufphase. Dennoch konnten wir mit neun Startchancen-Schulen im Jahr 2025/2026 erste wichtige Impulse setzen und Schüler*innen Räume für Ausdruck, Begegnung und persönliches Wachstum eröffnen, um ihren schulischen Alltag nachhaltig zu stärken.
Trau dich!
2025 war für das interaktive Theaterstück „Trau Dich!“ (© Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit) ein spannendes und erfolgreiches Jahr. Mit unserem Ensemble Bauchgefühl setzten wir uns in Hessen und Rheinland-Pfalz für die Stärkung der Kinderrechte und die Prävention sexualisierter Gewalt ein.

„Trau Dich!“ richtet sich an Kinder der 4. bis 6. Jahrgangsstufe und wird durch eine verpflichtende Lehrkräftefortbildung sowie einen Elterninformationsabend begleitet. Bei den Vorstellungen stehen außerdem regionale Fachberatungsstellen bereit, um kompetente Beratung und sofortige Hilfe zu gewährleisten.
Insgesamt konnten wir in 25 Vorstellungen rund 5.700 Kinder sowie zahlreiche Lehrkräfte und Eltern erreichen. Ein besonderes Highlight war die erste „Trau Dich!“-Woche im Schultheater-Studio Frankfurt im Mai 2025, bei der wir gezielt Schulen aus Frankfurt am Main erreichen konnten.
#likes4democracy – Für was wir uns stark machen- ein Film- und Theaterworkshop zu Social Media und Demokratie
Das Kooperationsprojekt #likes4democracy entstand durch ein inspirierendes Netzwerktreffen der Stiftung polytechnische Gesellschaft. Es ergab sich in Folge die Idee eine Zusammenarbeit zum Thema Demokratiebildung mit dem Filmhaus Frankfurt e.V. zu gestalten und glücklicherweise bekamen wir dafür eine Förderung der Stiftung polytechnische Gesellschaft. Zusammen mit der NASPA Stiftung und dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten haben wir nun genügend Fördermittel, um für zwei Frankfurter Schulen im Jahr 2026 kostenfrei jeweils eine Projektwoche zum Thema anzubieten.
Das Projekt #Likes4democracy ist ein innovativer Film- und Theaterworkshop, der sich an Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren richtet. Ziel ist es, junge Menschen für einen verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Medien zu sensibilisieren und sie zu befähigen, demokratische Werte aktiv in der digitalen Welt zu vertreten.
Im Rahmen des Workshops setzen sich die Teilnehmenden intensiv mit Themen wie Hass und Hetze, Fake News, Cybermobbing sowie den manipulativen Mechanismen von Algorithmen auseinander. Mit Methoden der ästhetischen Bildung wird nicht nur eine sachliche Auseinandersetzung, sondern ein emotional-sinnlicher Zugang zum Thema geschaffen. Auf Basis theaterpädagogischer Übungen, kreativer Film- und Videoarbeit und interaktiver Diskussionen entwickeln die Teilnehmenden eigene Lösungsansätze und positive Kommunikationsformen. Dabei entstehen kurze Videos, die die Jugendlichen selbst konzipieren, drehen und schneiden – unterstützt von theater- und medienpädagogischen Fachkräften.
TUSCH
Im Herbst 2024 begann das 19. TUSCHjahr mit 12 Partnerschaften zwischen professionellen Theatern und Schulen. Nach den Intensivworkshops aller Kooperationen fand die Kennlern- und Auswertungsrunde TUSCHbar im Löwenhof, dem Spielort des TheaterGrueneSosse, statt. Der Workshop zur Methode „Theater Direkt“ mit dem Ensemblemitglied Santo Pedillarco stellte dabei ein besonderes Highlight da. Das Plenum im März 2025 hat viele Künstler*innen, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler angelockt – ging es doch erneut um „Partizipation / Teilhabe“ von Kindern und Jugendlichen, die ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Demokratiebildung darstellt. Mirrianne Mahn und Arnika Senft führten in diesem Jahr erweiternd in das Thema „Adultismus“ ein und ließen die Teilnehmenden praktisch und theoretisch erfahren, was hinter dem Begriff, die Welt (lediglich) durch die Augen Erwachsener wahrzunehmen und zu bestimmen, steckt. Beim TUSCHpektakel vom 16.-18. Juni waren wieder einige hundert Kinder und Jugendliche beteiligt; zu sehen gab es 12 Präsentationen. Auch im Jahr 2025 endet das Jahr mit der TUSCHbar, dieses Mal in den Räumen der theaterperipherie im Titania in Bockenheim: es gab einen Input von der Theaterleiterin Ute Bansemir und jede Menge zu erzählen von den zahlreichen Partnerschaften des Theaters und ihrer Arbeit mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, Laien und professionellen Darsteller*innen. Ein Ausschnitt aus einem Video zeigte die Arbeit eines ehemaligen TUSCH-Schülers von der IGS Eschersheim in der Inszenierung seiner Fluchtgeschichte. Die Kooperationspartner*innen in dieser Runde TUSCH fanden überdies Zeit zum Kennenlernen und zum gegenseitigen Austausch.
Zuschauende ins Rampenlicht
2025 war für unser theaterpädagogisches Angebot „Zuschauende ins Rampenlicht“ (ZiR) ein Jahr voller kreativer Momente und spannender Entdeckungen. Im Rahmen von ZiR begleiteten wir zahlreiche Schulklassen auf ihrem Weg zum Theaterstück Momo. Unsere Workshops gingen weit über das reine Zuschauen hinaus.
Unsere 90-minütigen Workshops boten den Kindern die Gelegenheit, sich intensiv mit den Themen, Figuren und Motiven des Stückes auseinanderzusetzen. Sie dienten der spielerischen Annäherung an das Stück und bereiteten die Kinder gleichzeitig auf den Theaterbesuch vor. Jede Klasse setzte eigene Schwerpunkte, abgestimmt auf ihre Situation und Bedürfnisse. So konnten wir Neugier, Kreativität und Gemeinschaft fördern.
Die Begeisterung, Ideen und Spielfreude der Kinder haben uns bereichert. Sie zeigen, wie ZiR über das Stück hinaus Impulse für kreatives Lernen und gemeinsames Erleben setzt.
Wir konnten so vielen jungen Zuschauer*innen die Chance geben, selbst in die Welt von Momo einzutauchen, Figuren lebendig werden zu lassen und die Theatererfahrung aktiv mitzugestalten.
Ausblick 2026: Wir werden wieder Workshops an Schulen anbieten. Dieses Mal begleiten wir das neue Familienstück des Schauspiel Frankfurt und nehmen die Kinder spielerisch auf die Bühne mit.
Zukunftswerkstätten
Die AG Zukunftswerkstatt des Kreidekreis e.V. hat 2025 die Zeit genutzt, um in Ruhe zu reflektieren, was war und was sein soll. Dabei haben wir uns in regelmäßigen Abständen ausgetauscht und nach der Neuwahl des Vorstandes sogar neue Mitglieder für die AG gewinnen können. Aufgrund der Umbesetzung in der Leitung in 2025 und weiterer Herausforderungen, haben wir uns entschlossen erst 2026 wieder in die Durchführung nächster Zukunftswerkstätten zu gehen.